
Anwalt für § 184b StGB in Berlin – Verteidigung bei kinderpornographischen Inhalten
Eine Durchsuchung oder Vorladung wegen § 184b StGB trifft Beschuldigte meist ohne Vorwarnung und mit großer Wucht – beruflich, familiär, gesellschaftlich. Rechtsanwalt Daniel Korff, Fachanwalt für Strafrecht in Berlin, verteidigt in diesen Verfahren sachlich und ohne Vorverurteilung. Wichtig zuerst: Machen Sie keine Angaben zur Sache, nennen Sie keine Passwörter und löschen Sie nichts.
Was der Vorwurf nach § 184b StGB umfasst
§ 184b StGB erfasst mehrere, sehr unterschiedliche Handlungen: das Verbreiten und öffentliche Zugänglichmachen kinderpornographischer Inhalte, das Sich-Verschaffen oder Zugänglichmachen an Dritte, das Herstellen sowie das Beziehen, Vorrätighalten, Anbieten oder Bewerben solcher Inhalte. Kinderpornographisch im Sinne des Gesetzes ist ein pornographischer Inhalt, der sexuelle Handlungen von, an oder vor einer Person unter vierzehn Jahren oder die aufreizend geschlechtsbetonte Wiedergabe eines Kindes zum Gegenstand hat. In der Praxis der meisten Berliner Verfahren geht es jedoch nicht um Verbreiten oder Herstellen, sondern um den in Absatz 3 gesondert geregelten Besitz oder das Abrufen solcher Dateien – häufig aus einem Chat oder einer Cloud.
Strafrahmen seit der Reform vom 28. Juni 2024
Der Gesetzgeber hatte § 184b StGB 2021 durchgängig zum Verbrechen hochgestuft. Weil davon auch Fälle mit geringer Schuld erfasst wurden, wurden die Mindeststrafen mit Wirkung zum 28. Juni 2024 wieder gesenkt:
- Verbreiten, Herstellen, Zugänglichmachen (Absatz 1 Satz 1): Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, wenn ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergegeben wird.
- Rein virtuelle Darstellungen (Absatz 1 Satz 2): Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, wenn kein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen abgebildet ist.
- Abrufen und Besitz (Absatz 3): Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren – der praktisch häufigste Vorwurf.
- Gewerbsmäßiges oder bandenmäßiges Handeln (Absatz 2): weiterhin ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von zwei Jahren.
Außerhalb des gewerbs- oder bandenmäßigen Handelns sind die Taten damit wieder Vergehen. Das eröffnet wieder die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung nach den §§ 153, 153a StPO oder einer Erledigung durch Strafbefehl – ein Automatismus ist das nicht, aber eine ernsthafte Option bei geringer Schuld und günstiger Sozialprognose. Für Taten aus der Zeit der strengeren Fassung, über die noch nicht rechtskräftig entschieden ist, gilt nach § 2 Abs. 3 StGB das mildere, heute geltende Recht.
Abgrenzung zu § 184c StGB
Zeigt der Inhalt eine mindestens vierzehn-, aber noch nicht achtzehnjährige Person, greift nicht § 184b, sondern § 184c StGB (jugendpornographische Inhalte) mit niedrigeren Strafrahmen. Für einvernehmlich unter Jugendlichen selbst hergestelltes Material zum ausschließlich persönlichen Gebrauch sieht das Gesetz zudem eine enge Ausnahme vor. Ob im Einzelfall § 184b oder § 184c einschlägig ist, hängt vom Alter der abgebildeten Person ab und muss anhand der Akte geprüft werden.
Typische Konstellationen
- Gruppenchats: Messenger-Apps speichern empfangene Bilder oft automatisch. Wer eine Datei ungesehen weiterleitet oder in einem Chat verbleibt, in dem später Material auftaucht, gerät schnell in den Fokus der Ermittlungen.
- Meldungen ausländischer Anbieter: US-Dienste sind gesetzlich verpflichtet, Funde an das amerikanische Meldezentrum NCMEC zu melden. Von dort gelangen die Daten über das Bundeskriminalamt an das LKA Berlin – häufig erst Monate nach dem eigentlichen Vorgang, sodass Betroffene den Anlass zunächst gar nicht mehr zuordnen können.
- Eltern und Lehrkräfte: Wer entdecktes Material selbst kopiert oder an andere Eltern weiterleitet, um zu warnen, kann sich damit selbst nach § 184b StGB strafbar machen. Richtig ist, die Polizei einzuschalten, ohne das Gerät weiter zu nutzen oder Dateien zu vervielfältigen.
Durchsuchung und Auswertung der Geräte
Bei einem Anfangsverdacht nach § 184b StGB wird fast immer durchsucht, häufig werden alle Geräte im Haushalt beschlagnahmt, auch die anderer Haushaltsmitglieder. Die forensische Auswertung dauert erfahrungsgemäß viele Monate. Zu PIN und Passwörtern besteht keine Mitwirkungspflicht. Bei biometrischer Entsperrung ist die Rechtslage seit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 13.03.2025 (2 StR 232/24) differenzierter: Danach dürfen Ermittler den Finger eines Beschuldigten unter engen Voraussetzungen – richterlicher Durchsuchungsbeschluss, Verhältnismäßigkeit – auch gegen dessen Willen auf den Sensor legen; der Fall betraf gerade ein Verfahren wegen kinderpornographischer Inhalte. Ein aktives Nennen von Zugangsdaten bleibt davon unberührt: Dazu sind Sie nicht verpflichtet.
Verteidigungsansätze
Entscheidend ist praktisch immer der Vorsatz: Wusste die betroffene Person, dass sich die Datei auf ihrem Gerät befand, und wollte sie den Besitz? Automatische Mediendownloads von Messengern, ein technischer Zwischenspeicher oder der Zugriff mehrerer Personen auf dasselbe Gerät oder Konto sind typische Ansatzpunkte, die nur ein IT-forensisches Gutachten und die vollständige Akteneinsicht klären können. Wegen der Rückstufung zum Vergehen kommt bei Ersttätern mit geringer Schuld auch eine Einstellung nach §§ 153, 153a StPO ernsthaft in Betracht.
Nebenfolgen: Führungszeugnis, Beruf, Kinder- und Jugendhilfe
- Erweitertes Führungszeugnis (§ 30a BZRG): Verurteilungen nach § 184b StGB werden dort unabhängig von der Strafhöhe aufgenommen und bleiben länger sichtbar als im einfachen Führungszeugnis.
- § 72a SGB VIII: Wer rechtskräftig nach § 184b StGB verurteilt wurde, darf hauptamtlich, nebenamtlich oder ehrenamtlich nicht mehr in der Kinder- und Jugendhilfe tätig sein.
- Beruf: Bei Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern sowie im öffentlichen Dienst wird der Dienstherr regelmäßig informiert; ein Berufsverbot ist möglich.
- Einziehung: Geräte, auf denen entsprechende Inhalte festgestellt werden, werden nach § 184b Abs. 7 StGB in der Regel eingezogen.
Ablauf des Verfahrens in Berlin
Ermittelt wird meist bei einem Fachdezernat des Landeskriminalamts Berlin, die Sachleitung liegt bei der Staatsanwaltschaft Berlin. Je nach Straferwartung wird beim Amtsgericht Tiergarten oder beim Landgericht Berlin I angeklagt, beide im Kriminalgericht Moabit – wenige Minuten von der Kanzlei in Tiergarten entfernt. Bei gewerbs- oder bandenmäßigem Handeln (Verbrechen) oder wegen der Schwierigkeit der Rechtslage kommt regelmäßig ein Pflichtverteidiger in Betracht, den Sie selbst benennen können. Weitere Grundlagen zur Verteidigung im Sexualstrafrecht – etwa zur Durchsuchung von Datenträgern und zur Diskretion im Mandat – finden Sie auf der Übersichtsseite des Rechtsgebiets.
Was Sie jetzt tun sollten
- Schweigen Sie zur Sache – auch bei einer Vorladung, der Sie als Beschuldigter nicht folgen müssen.
- Nennen Sie keine PIN und keine Passwörter; widersprechen Sie der Sicherstellung Ihrer Geräte.
- Löschen Sie nichts – das lässt sich meist nachvollziehen und kann als eigenständige Tat gewertet werden.
- Bewahren Sie Durchsuchungsbeschluss und Sicherstellungsverzeichnis auf.
- Rufen Sie an, bevor Sie sich äußern: 030 85479867 oder über das Kontaktformular.
Sollten Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben oder sich in einer anderen strafrechtlichen Situation befinden, nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.
Häufige Fragen
Werde ich strafbar, wenn ich ein Bild ungewollt in einem Gruppenchat erhalte?
Der bloße technische Empfang begründet noch keine Strafbarkeit; entscheidend ist, ob Sie wissentlich Besitz an der Datei begründet oder sie weitergeleitet haben. Automatische Mediendownloads und Zwischenspeicher sind wichtige Verteidigungsargumente. Löschen Sie nichts selbst und wenden Sie sich an einen Verteidiger, bevor Sie sich dazu äußern.
Was hat sich seit Juni 2024 bei § 184b StGB geändert?
Die Mindeststrafen wurden gesenkt: für Verbreiten und Herstellen auf sechs Monate, für Abrufen und Besitz auf drei Monate Freiheitsstrafe. Damit sind diese Taten – anders als in den Jahren zuvor – wieder Vergehen, sodass Einstellungen nach §§ 153, 153a StPO und Strafbefehle rechtlich wieder möglich sind. Für Altfälle ohne rechtskräftige Entscheidung gilt das mildere neue Recht.
Kann ein Verfahren nach § 184b StGB eingestellt werden?
Ja, das ist seit der Reform 2024 wieder eine ernsthafte Möglichkeit, insbesondere bei Ersttätern, geringer Schuld und wenigen Dateien. Eine Garantie gibt es nicht; die Entscheidung trifft die Staatsanwaltschaft im Einzelfall nach Aktenlage.
Muss ich der Polizei mein Passwort oder meinen Fingerabdruck geben?
Ein Passwort oder eine PIN müssen Sie nicht nennen. Bei biometrischer Entsperrung hat der Bundesgerichtshof 2025 entschieden, dass Ermittler den Finger unter bestimmten Voraussetzungen auch gegen den Willen der beschuldigten Person auf den Sensor legen dürfen. Das ändert nichts daran, dass Sie zur Sache schweigen dürfen.
Welche Folgen hat eine Verurteilung für meinen Beruf?
Das hängt vom Beruf ab. In der Kinder- und Jugendhilfe führt eine rechtskräftige Verurteilung nach § 184b StGB zum gesetzlichen Tätigkeitsausschluss. Bei Lehrkräften, im öffentlichen Dienst und in vergleichbaren Positionen drohen dienstrechtliche Konsequenzen bis zum Berufsverbot. Das erweiterte Führungszeugnis macht eine Verurteilung zudem sichtbar, wo ein einfaches Führungszeugnis schweigen würde.
Was ist der Unterschied zwischen § 184b und § 184c StGB?
§ 184b StGB betrifft Inhalte, die Kinder unter vierzehn Jahren zeigen. § 184c StGB erfasst Inhalte mit Personen zwischen vierzehn und achtzehn Jahren und sieht niedrigere Strafrahmen vor. Für einvernehmlich unter Jugendlichen selbst erstelltes Material zum persönlichen Gebrauch gilt zudem eine enge gesetzliche Ausnahme.
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