WIEDERAUFNAHMEVERFAHREN

Das Wiederaufnahmeverfahren bietet unter engen Voraussetzungen die Möglichkeit, ein durch rechtskräftiges Urteil abgeschlossenes Strafverfahren ( d.h. nach Erschöpfung aller Rechtsmittel ) ” wieder aufzurollen “. Der wichtigste Wiederaufnahmegrund ist der, dass neue ( d.h. zum Zeitpunkt der letzten Tatsacheninstanz dem Gericht nicht bekannte ) Tatsachen und / oder Beweismittel vorliegen, die eine andere Beurteilung des Falles rechtfertigen.

Die größte Hürde des Wiederaufnahmeverfahrens sieht das Gesetz in dem sogenannten Aditionsverfahren vor, wo das Wiederaufnahmegericht prüft, ob die vorgelegten ” Nova ” ( d.h.: die neuen Tatsachen und / oder Beweismittel ) tatsächlich geeignet sind, im Zusammenspiel mit den bereits erhobenen Beweisen eine grundsätzlich andere Beurteilung des Sachverhaltes zu rechtfertigen. Nur wenn diese Frage vom Wiederaufnahmegericht bejaht wird, kommt es zur Wiederaufnahme des Verfahrens, d.h., zur vollständigen Wiederholung der Beweisaufnahme. Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens können nur durch einen Rechtsanwalt gestellt werden.

Bevor der Verteidiger einen Wiederaufnahmeantrag stellt, muss er zunächst sehr genau prüfen, ob tatsächlich ein Wiederaufnahmegrund ( s.o. ) vorliegt. Diese Prüfung wird in vielen Fällen negativ ausfallen, so dass dann leider entgegen der Hoffnungen der Mandanten von der Stellung eines Wiederaufnahmeantrages abgeraten werden muss.